Blog

Social Software in Kommunen

Gestern veranstaltete die MFG Baden-Württemberg das Forum »Stadtwikis, Bürgermeisterblogs, E-Communities – Social Software in Kommunen«. Es gab 5 Vorträge für ca. 50 Teilnehmer, die meisten waren Mitarbeiter bei Kommunen. Daher fand ich es etwas gewagt, dass bei der Einleitung mehrmals die Wörter “Web 2.0” und “Webmontag” fielen, weil sicher nicht jeder was damit anfangen Konnte. Aber die MFG engagiert sich in diesem Bereich recht stark, demnächst wird es auch ein “Innovationsprogramm Web 2.0” geben.

Beim ersten Vortrag stellte Hauke unser Karlsruher Stadtwiki vor, wie vor fast genau zwei Jahren alles anfing und es sich inzwischen zum größten Stadtwiki Europas gemausert hat (was übrigens nicht an einer vielzahl Studenten liegt, wir haben nur wenige studentische Wikinger). In dieser Zeit hatten wir kaum Kontakt mit der Stadt Karlsruhe bezüglich des Wikis, worauf ein Teilnehmer spekulierte, ob vielleicht der Erfolg nicht gerade auch daher rühre? Hauke bekam sehr viele Rückfragen – auch noch in der Pause – der Vortrag hatte sich gelohnt.

Als zweites sprach Hjalmar Hiemann über das Projekt WorldcupWiki, einem Wiki zur WM, welches im September 2005 startete. Um das Henne-Ei-Problem zu umgehen (Ohne Content keine User, ohne User keinen Content) bediente man sich der Wikipedia in Starttexten und angemeldeten, fußballbegeisterten Usern aus dem Süden Deutschlands. Im April ging dann der Betrieb richtig los. Am meisten in der Presse gehypt wurde die Aktion Langspielplatte mit 11 Liedern, in der WM-Lieder gesammelt wurden, und nach einer Abstimmung wurden 11 Lieder daraus auf eine LP gepresst und Oliver Bierhoff übergeben. Was nach der WM mit dem Content passiert, ist noch nicht klar. Richtig nett waren die T-Shirts zur Aktion: Männer trugen “Ich steh’ auf Leder” auf der Vorderseite, Girlies “Fußball ist Frauensache”; von letzteren gab es allerdings keine mehr :(

Das Thema des 3. Vortrags, Bürgermeisterblogs, stellte sich schnell als Bürgermeister-Tagebuch raus, da keine Kommentare möglich sind, und auch sonst keine Weblogfunktionalitäten bereitgestellt worden sind. Immerhin beschwert sich der Bürgermeister nicht mehr bei der Agentur, die das ganze forcierte, sondern sieht als zusätzliche Möglichkeit der Kommunikation, auch wenn er seine Texte veröffentlichen lässt ;)

Schließlich stellte Ralf Schmid noch das Stadtblog Stuttgart Blog vor, welches es seit September 2005 gibt, aber anfangs auch mit den üblichen Problemen zu kämpfen hatte: kaum Autoren, kaum Artikel, wenig Leser. Aber mittlerweile scheint es sich etabliert zu haben, und solange nicht übermässig Traffic produziert wird, übernimmt Schmids Agentur 6B Neue Medien die Kosten komplett.

Tücken von Powerpoint Tücken der Powerpoint-Manie beim nächsten Vortrag:
von der Versionsnummer abhängig falsch gespiegelte Logos unten links.

Zuletzt (und man merkte es, ab 16:30 Uhr lichteten sich die Reihen schon etwas, Dienstende bei Beamten?) ging es um “Förderung der E-Community in Stuttgart”. Ralf Armbruster stellte einerseits die Infrastruktur der Online-Freiwilligen-Börse vor. Schade daß hier das Rad ständig neu erfunden wird, auch in Karlsruhe wird sowas geplant, aber scheinbar ist man in Stuttgart mit der zentralen Datenhaltung schon etwas weiter, und man kann die Software für die Freiwilligen nicht “einfach so” exportieren.
Das zweite Projekt war http://mobil.stuttgart.de, eine viersprachige Website für mobile Surfer – auch hier war der Anlass die WM. (Traurig: aufgrund dieses Projekts wurde die Durchsetzung der Barrierefreiheit [weg mit den Frames!] um ein Jahr verschoben…) Aber auch um die Usability wurde sich in letzter Zeit Gedanken gemacht: ein Dienstleister gab nach einem Test von www.stuttgart.de eine Liste mit 60 verbesserungswürdigen Punkten zurück, die demnächst abgearbeitet werden sollen. Immerhin!

Fazit des Ganzen: Dafür, daß ich hauptsächlich wegen des Stadtwiki-Vortrags hingefahren bin, war ich doch erstaunt, daß nicht alle Kommunen “webtechnikfeindlich” eingestellt sind.
In Stuttgart z.B. wurden sogar schon Wikis für eine interne Doku eingesetzt. Ich bin gespannt, was sich in dem Bereich in nächster Zeit tun wird, wo es weitere Stadtwikis geben wird.

Wer übrigens mal in der MFG in Stuttgart oder in der Nähe ist: Hier gibt es noch einen richtigen Paternoster:
Mein erster Paternoster

13.07.06 | in | Tags:

1 Kommentare bisher

#1 Wilhelm Bühler – Jul 16, 07:51

Hallo Beate,

was ich beim Stuttgart-Vortrag interessant fand, war die Bemerkung, dass etwa die Hälfte der User von http://mobil.stuttgart.de von “normalen PCs” kommen, da das dortige Angebot auf den normalen Seiten fehlt und wohl gerade das Thema Umkreissuche gerne genutzt wird.

Ciao

Wilhelm

P.S: Was an der Veranstaltung auch schön war, war das Vertreter aus vielen Landesteilen vertreten waren und sie sich nicht von teilweise bis zu über 5 Stunden Fahrzeit haben abschrecken lassen. Die Vertreter,die ich gesprochen hatte, kamen alle mit der Bahn. Vielleicht hätte man früher anfangen sollen.

Kommentare geschlossen.

|

Suche

Meta

RSS / Atom

Archiv

CC CreativeCommons

Ich lese:

uninformation.org, Gerrit, Jens, Thomas, Oliver, jot-be, fukami und viele andere mehr...